In meiner Handtasche fehlt meistens irgendwas. Der Hausschlüssel, das Portemonnaie, das Bahnbillette, Taschentücher oder Lipgloss. Aber niemlas, wirklich niemlas fehlt ein Buch. Bis letzten Freitag...
So sitze ich also wie gewohnt bei Starbucks und trinke mein Mittagessen. Doch irgendwie ist das peinlich. Um mich herum sitzen lauter Studenten. Alle damit beschäftigt dicke, bildende Bücher zu lesen, auf ihren Smartphones rumzufummeln oder gewichtig auf den Laptop zu tippen. Und ich? Ich habe kein Buch, mein Smartphone liegt aunaufgeladen irgendwo in einer Ecke meiner Wohnung, in der ich es nicht mehr finde und in meinen Laptop habe ich auch nichts einzutippen. Ich fange an zu grübeln, ob vielleicht das der Grund ist, warum ich nicht studiere.
Doch das Gespräch am Nebentisch widerlegt meine Überlegungen gründlich. Da werden zwei Daen auf englisch gefragt, wo denn das nächste Klo sei, und die beiden verstehen kein Wort. Nu ja, soll vorkommen, peinlich nur wenn man erzählt welche "schwierigen philosophischen Probleme" sie wieder behandelt hätten.
Plötzlich wird mir die Sonne geraubt, von einer indischen Grossfamilie die sich alle vor dem Starbucks-Emblem aufstellen um ein Foto zu machen. Man könnt meinen in Indien gäbe es keinen Starbucks. Nachdem sie endlos diskutierten oder stritten (Ich verstand shliesslich nur das Wort "Frapuccino") kaufte der Grossvater widerwillig einen(1!) Muffin. Um diesen einen Muffin scharte sich fortan alle 6(sechs!) Menschen und pickten daran rum.
Schlussendlich setzten sich ein junger Mann und eine Frau um die vierzig an einen Nebentisch und da erzählte dieser junge Herr, der gar nicht so dumm aussah, dass er sein Studium nach dem Bachelor nicht mehr weiterführen will. Er wolle nun seinen Nebenjob zu seinem Vollzeitjob machen. Schliesslich verdiene er mit dem Barkeepern recht anständig Geld. Seine Begleitung, zieht nur die Augenbraue hoch. Ich bewundere diese Selbstbeherrschung und folgere, sie kann unmöglich die Mutter unseres Barkeepers sein. Der fährt munter weiter, und erzählt er mache 40 Franken Trinkgeld an einem Abend. Spätestens jetzt ist bedaure ich den armen Kerl. Der sollte besser noch ein Semester Mathematik studieren um sich ausrechnen zu können, dass falls, er seinen Bachelor nicht gerade in Philosophie erlangte, er mit einem Studium wohl bedeutend mehr verdienen würde als, er das als Barkeeper tut. Zusätzlich würde ich ein Psychologiestudium vorschlagen um zu lernen, wie man mit einfachen Tricks mehr Trinkgeld kriegt.
Nun ja, so neigte sich meine Mittagspause dem Ende zu und ich hatte nicht nur etwas Beschäftigung gefunden, sondern auch noch ganz nebenbei, meinen Blog mit lauter Banalitäten gefüttert