In der Weihnachtszeit herrscht bekanntlich in allen Familien eine explosive Stimmung. Aber davon soll dieser Artikel nicht handeln, insbesondere deshalb, weil unser Weihnachtsfest ungewohnt friedlich verlief. Es soll sich auch nicht um Väter drehen, die an Silvester ein Vermögen in Form von Feuerwerk in die Luft jagen.
Jedenfalls, fing alles harmlos an: Der eine Reifen unseres Kinderwagens hatte kaum noch Luft und sollte aufgepumpt werden. Mangels einer kompatiblen Handpumpe, beschlossen wir, den Reifen an einer Tankstelle aufzupumpen. Das ist keine schlechte Idee! Ich, die handwerklich völlig unbegabte und ungebildete Miss Propper habe dies bereits öfters mit dem Kinderwagen der grossen Prinzessin getan. Das nachfolgende Desaster geht also komplett auf die Rechnung von Kaiserpinguin!
Wir spazierten also gemütlich zur Tankstelle um den Reifen aufzublasen. Dort angekommen wurden bereits Schilder aufgestellt: "Achtung Explosionsgefahr! Kein offenes Feuer!" Dies hätte mir bereits eine Warnung sein sollen, aber ich bin ja optimistisch.
Schon bald stellte sich heraus, das Problem war ein nicht mehr gut sitzendes Ventil. Doch mit einer Zange, die man dem Wartungsarbeiter der Tankstelle auslieh, konnte man das Ventil wieder in Position bringen. So wurde gepumpt...Und eine normale Familie wäre jetzt gegangen, ohne Zwischenfall. Nicht so die Proppers, oder besser gesagt: Nicht so Kaiserpinguin.
Kaiserpinguin bemerkte dass der Reifen bereits wieder Luft verlor. "Dann bringen wir das Teil zu einem Fahrradhändler.", war mein Komentar. Doch Kaiserpinguuin, durch und durch Mann und vor allem "Selbst ist der Mann", sagte: "Ich repariere das selbst." Einer etwas klügeren Frau, oder zumindest einer erfahreneren Frau, hätte es jetzt gedämmert, dass nun grosses Unglück auf sie zu kommt. Das ganze Internet ist voll mit Videos von überfluteten Badezimmern, explodierenden Gartenhäuschen und an die Wand genagelten Händen, die alle mit diesem satz anfangen. Und nächstens wird wohl ein Überwachungskamervideo mit Kaiserpinguin als Hauptdarsteller auftauchen. Kaiserpinguin pumpte also so lange weiter, bis der Reifen in tausend Einzelteilen in die Luft flog.
Ich schnappte die grosse Prinzessin und Guppy, und zu dritt stapften wir laut schimpfend los. Ab in den nächsten Coffee Shop (nein es war nicht Starbucks, Ätsch!). Kaiserpinguin und Eljoënai liessen wir mit dem zweirädrigen Wagen da stehen und dachten: So, nun repariere selbst! Doch wir hatten noch nicht mal unsereGetränke bestellt, als Kaiserpinguin den zweirädrigen Wagen neben mir abstellte und wütend davon schritt, auffällig die verletzte Hand haltend. So sass ich also mit einem zweirädrigen Wagen und drei quengelnden Kindern da. Während wir also Kaffee und Kakao schlürften gingen dutzende Menschen an uns vorbei. Schwupoki`s, eingebildete Teenies, anthroposophische Familien in bunt gemusterten Kleider die garantiert nicht von Missoni sind, und ein paar Randständige. Was haben all diese Menscehn gemein? Alle starrten mich mitleidig an. Tiefer kann man wohl nicht mehr sinken, wenn bereits die Randständigen einen bemitleiden.
So fasste ich einen Entschluss: In unserer alten, imer noch nicht komplett geräumten Wohnung, stand noch ein alter Kinderwagen. Das Ding ist zwar ein Vorkriegsmodell und schreit nach Armut, aber besser als mein Kind in einem zweirädrigen Wagen zu schieben oder es gar zu tragen.
Den Rest des Einkaufbummels schob ich mein armes Kind in diesem Wagen und erntete noch mehr mitleidige Blicke. Und glauben sie mir, so, macht Ausverkauf- Schnäppchen- Kaufen keinen Spass.
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